Auf a Wort im Achental mit Stefanie Prasser
Trachten Hofer ist ein traditionsreiches Fachgeschäft für bayerische Tracht in unserer Nachbargemeinde Grassau. Seit Jahrzehnten steht der Familienbetrieb für hochwertige Trachtenmode, handwerkliche Qualität und eine tiefe Verbundenheit zur regionalen Kultur. Stefanie Prasser (geb. Hofer) und ihr Bruder Michael Hofer haben das Geschäft von ihren Eltern Otto und Angelika Hofer übernommen und führen die Tradition mit frischen Ideen fort.
Wir haben Stefanie Prasser, die in der Achental Gemeinde Schleching lebt, zum Beginn der Trachtensaison 2025 zum Gespräch in der Tourist-Info im Alten Bad in Unterwössen getroffen.
Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören:
Tracht ist ein fester Bestandteil der bayerischen Kultur, doch sie hat sich über die Jahre sicherlich verändert. Wie erlebt ihr den Wandel der Tracht und welche Rolle spielt sie heute im Alltag der Menschen im Achental?
Gerne möchte ich hier unterscheiden zwischen der Originaltracht, die man im Trachtenverein und zu bestimmten Anlässen trägt und der Trachtenmode wie man sie auch bei uns im Laden findet. Die Trachtenmode ist dem Wandel der Mode unterlegen und orientiert sich an dem, was gerade in der Mode angesagt ist, wie zum Beispiel Farben oder Rocklängen.
Die Originaltracht ist das, was ein fester Bestandteil der traditionellen Tracht ist. Es ist festgelegt, was dazu gehört vom Hut, über die Schürze bis zum Gewand. Im Alltag ist die Tracht bei uns im Achental ein fester Bestandteil des Lebens. Die Trachtenvereine in den Gemeinden stemmen viele Feste und da gehört die Tracht immer dazu.
Von Mai bis Oktober ist so was wie Hauptsaison für Trachten bei uns. Aber es gibt ganzjährig immer wieder Anlässe für uns, Tracht zu tragen. Das können kirchliche Feste, Geburtstage, Taufen, Hochzeiten und andere Familienfeiern sein.
Was unterscheidet Trachten Hofer von anderen Trachtengeschäften? Fertigt ihr nach wie vor auch Trachten an? Und wenn ja, wie ist die Nachfrage nach individueller Tracht?
Der Unterschied zu anderen Trachtengeschäften ist unsere eigene Schneiderei im Ort gegenüber von unserem Ladengeschäft. Dort sitzen unsere Schneiderinnen und fertigen individuell die Trachten nach Kundenwunsch an – von der Herrenweste bis zum Dirndlgewand. In Deutschland im Textilbereich gibt es die Fertigung vor Ort nur noch ganz selten. Die Nachfrage nach individueller Tracht ist groß und deswegen sind wir stolz, das anbieten zu können.
Woher kommen eure Kunden? Bedient ihr überwiegende Einheimische oder finden auch Gäste den Weg zu euch?
Wir haben sehr viel einheimische Kunden. Aber es gibt auch Gäste, die ihren Urlaub hier verbringen und unverbindlich was anprobieren und einfach mal schauen möchten, wie ihnen eine Lederhose oder ein Dirndl steht. Und dann haben wir unsere Stammkunden, die seit Jahrzehnten ihren Urlaub hier verbringen, die immer bei uns reinschauen und wir ein Teil ihres Urlaubs sind. Mit einigen unserer Stammgäste sind wir sogar ganzjährig über Social Media in Kontakt, was uns sehr freut.
Ihr habt das Geschäft kürzlich von euren Eltern übernommen. Wie hast du diesen Übergang erlebt, und was waren die größten Herausforderungen dabei? Gab es neue Akzente oder Veränderungen, die du und dein Bruder einbringen werdet?
Die unkomplizierte Übergabe war zum 1. Januar 2025 und wir sind auch noch mittendrin. Mein Bruder und ich verstehen uns bestens und die Eltern sind froh, dass sie die Gesamtverantwortung an die nächste Generation übergeben können. Dennoch sind unsere Eltern immer für uns ansprechbar und für ihre Stammkunden weiter da. Wir führen mit viel Freude und auch Ehrfurcht die Geschäfte weiter. Wir werden sicher zukünftig unserem Geschäft unseren Stempel aufdrücken. Wir haben so einiges vor, was wir hier noch nicht verraten.
Wie teilt ihr, du und dein Bruder euch die Aufgaben auf?
Mein Bruder ist der Schneider und somit der Kreative. Ich muss gestehen, ich kann nicht nähen. Mein Bruder ist also in der Schneiderei und für die Kollektion, die Fertigung und den Vertrieb verantwortlich. Zweimal im Jahr kommt unsere Kollektion heraus.
Ich bin im Laden und für den Einkauf, Verkauf und das Marketing zuständig.
Auf welchen Anlass zum Trachten tragen freust du dich in naher Zukunft besonders?
Ich freue mich jetzt erstmal auf den 1. Mai und das Maibaumaufstellen. Mein Röcki, also die traditionelle Tracht, trage ich an Christi Himmelfahrt zur Wallfahrt nach Raiten.
Was bedeutet für dich Heimat?
Heimat bedeutet für mich der Ort, an den man immer gerne wieder zurückkommt und wohin man sich im Urlaub auch immer wieder zurück ‚hoam‘ sehnt. Im glücklichen Fall ist das der Ort, wo Familie und Freunde sind.
Was ist für dich „Typisch Achental“?
Für mich ist das zum einen unsere Landschaft: Die Berge und die Tiroler Ache, die sich durch die Landschaft bis zum Chiemsee schlängelt. Und auch unsere Leute. Jedes Dorf hat seinen eigenen Charakter. Die Menschen hier sind schon ein sehr besonderer Menschenschlag.
Wo ist dein Lieblingsplatz im Achental und warum?
Lieblingsplätze im Achental gibt es für mich viele. Ein besonderer Lieblingsplatz für mich ist die Gscheurer Wand. Am besten zum Sonnenuntergang auf die ‚Schlechinger Art‘, wenn die Sonne von den Bergen verschluckt wird. Am liebsten in Gesellschaft lieber Menschen mit einem Glaserl zum Trinken dabei.
Welches ist dein liebster Brauch oder deine liebste Tradition?
Meine liebste Tradition ist im Herbst der Almabtrieb. Der Herbst bei uns im Achental ist wunderschön mit seinen Farben und der Stimmung. Der Almabtrieb ist sehr besonders, wenn die Tiere bunt geschmückt sind. Es ist eine besondere Stimmung, wenn die Tiere wieder gut im Tal angekommen sind und wenn der Almsommer gut überstanden ist. Es ist das Ende vom Sommer und man freut sich auf den Herbst und den Winter.
Was ist ein perfekter Tag für dich im Achental?
Ein perfekter Tag im Achental beginnt für mich morgens bei schönem Wetter mit Blick von der Terrasse auf den Hochgern die erste Tasse Kaffee genießend. Dann ein gutes Frühstück und entweder zu Fuß oder mit dem Radl auf den Berg und anschließend, wenn das Wetter passt, im Sommer noch in den See zu springen.
Welches ist dein bayerisches Lieblingswort? Und was bedeutet es?
Mein Lieblingswort kannte ich, bis ich meinen Mann kennengelernt habe, noch gar nicht. Es ist der ‚Leierer‘. Ich wusste zunächst nicht, um was es geht. In Schleching ist der ‚Leierer‘ der Siebenschläfer.
Kurze Fragen zu Kulinarik in Bayern:
Bosna oder Weißwurst? Bosna
Leberknödel oder Spinatknödel? Spinatknödel
Schweinsbraten oder Chiemseerenke? Chiemseerenke
Berggehen oder Bergradeln? Gerne auch beides in Kombination
Berggipfel oder Bergsee? Berggipfel
Alpinski oder Nordicski? Alpinski
Was ist dein Lebensmotto?
Jeden Tag mit einem Lachen zu beginnen.